Die mitbauzentrale beim Zusammen Leben Festival
Die mitbauzentrale beim Zusammen Leben Festival
Zwei Tage voller Inspiration, Austausch und Begegnungen liegen hinter uns. Neun Organisationen im Bereich des gemeinwohlorientierten Wohnens haben sich zum ersten Mal zusammengeschlossen, um am 19. und 20. Juni 2026 das Zusammen Leben Festival im Kunstverein Stuttgart auf die Beine zu stellen. Das Programm wurde von vielen ehrenamtlich engagierten gemeinsam gestaltet. Gemeinsam vereinen die Organisatoren eine enorme Erfahrung, vielfältiges Wissen und ein breites Netzwerk an Experten. Sie brachten ein bunt gemischtes Publikum zusammen, das voneinander lernen, miteinander diskutieren und neue Perspektiven gewinnen konnte.
Der Fachtag bot spannende Diskussionsrunden zu Themen wie Dachgenossenschaften, gemeinschaftlichen Wohnprojekten im Quartier und der Vielfalt der Menschen, die in solchen Projekten zusammenleben. Besonders eindrucksvoll war die Diskussion „Gemeinwohl statt Rendite“ moderiert von Frauke Burgdorff. Es diskutierten Hanna Steinmüller (MdB, die Grünen), Andreas Hofer (IBA Stuttgart), Cord Söhlke (Stadt Tübingen), Birgit Kasper (Netzwerk Frankfurt) und Ricarda Pätzold (difu). Deutlich wurde dabei: Gemeinschaftliche Wohnprojekte haben das Gemeinwohl als Rendite.
Hanna Steinmüller würde der aktuellen Bundesregierung gemeinschaftliche Wohnprojekte mit zwei Aspekten schmackhaft machen: Zum einen leisten sie einen wichtigen Beitrag gegen die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft. Zum anderen sind sie auch ökonomisch sinnvoll, da sie weit über die Bindungsfrist des sozialen Wohnungsbaus hinaus langfristig bezahlbaren Wohnraum schaffen. Gemeinschaftliche Wohnprojekte bauen soziale Infrastruktur auf, während viele andere geförderte Wohnungen nach Ablauf der Bindungsfrist wieder dem freien Markt zu marktüblichen Preisen zur Verfügung stehen und erneut Fördermittel eingesetzt werden müssen.
Darüber hinaus wurde betont, dass das Leben in Gemeinschaft demokratische Kompetenzen stärkt und damit einen wichtigen Beitrag zur Demokratieförderung leistet. Mit Blick auf die Zukunft waren sich die Diskutierenden einig, dass es gelingen muss, den Wohnflächenverbrauch pro Kopf wieder zu senken. Zudem sollte die Förderung von Umnutzungen künftig gezielt gemeinwohlorientierten Akteuren zugutekommen.
Im Anschluss an den Fachtag konnten die Besucher:innen aus einer großen Vielfalt an Workshops, Vorträgen, Lesungen, Mitmach-Theaterformaten und weiteren Angeboten wählen, die ehrenamtliche Expert:innen aus dem Netzwerk angeboten haben. Auch unsere Kollegin Natalie Schaller von der mitbauzentrale beteiligte sich mit einem Workshop zum Thema „Wohnprojekte als Teil der Wohnungspolitik – Kommunen setzen den Rahmen“. Weiterhin wurde beispielsweise der „Vermögenspool“ als alternatives Finanzierungsmodell vorgestellt oder vom Genossenschaftsforum aus Berlin spielerische Formen der Wissensvermittlung zu Genossenschaften erprobt. Tom Voss stellte seinen Podcast zu gemeinschaftlichem Wohnen vor, den er ehrenamtlich betreibt, um die Idee weiter in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Und natürlich wurde intensiv diskutiert, zum Beispiel bei einer Diskussionsrunde des Netzwerk Immovilien über die Herausforderung gemischte Immobilien zu erstellen, die alle wollen, aber für die es keine „Schublade“ und damit auch keine passenden Förderungen gibt. Für jeden Geschmack war etwas dabei – und viele Teilnehmende konnten neue Erkenntnisse, Ideen und Kontakte mit nach Hause nehmen.
Noch wichtiger ist jedoch die Bündelung aller Kräfte, um sich gemeinsam für das gemeinwohlorientierte Wohnen einzusetzen. Die Argumente, Ideen und Forderungen der Organisator:innen sind in diesem Positionspapier zusammengefasst. Nicht nur für das Festival arbeiten die Organisationen zusammen: Ein neu gegründetes deutschlandweites Bündnis soll künftig als Interessensvertretung für gemeinwohlorientiertes Wohnen auf bundespolitischer Ebene auftreten. Trotz der herausfordernden Zeiten auf dem Immobilienmarkt verbreitete das Festival eine positive Stimmung, mit Zuversicht und Aufbruch. Es hat ein Zeichen gesetzt für das gemeinschaftliche Wohnen: Wir sind viele, wir haben Ideen und wir haben Lösungen, von denen alle profitieren.
Dies sind die Organisationen des Festivals:
Forum gemeinschaftliches Wohnen e.V.