Rückschau Leerstandskonferenz am 17.01.2026

"22.000 leerstehende Wohnungen", titelte die tz pünktlich zur „Leerstandskonferenz“ am 17. Januar 2026 in der Philippuskirche in Giesing. Ganz so dramatisch ist die Lage dann doch nicht, stellte das Rathaus am darauffolgenden Montag klar: Rund die Hälfte dieser Wohnungen seien sogenannte Fluktuationsleerstände, die durch Wohnungswechsel entstünden. Dennoch bleiben etwa 5.500 offiziell leerstehende Wohnungen.

Nicht eingerechnet dabei sind leerstehende Büroflächen, ungenutzte Zimmer in Zweitwohnungen, Einfamilienhäusern und zu großen Wohnungen. Und das alles vor dem Hintergrund von Klimakrise, Wohnungsnotstand und steigenden Baupreisen: Diskussionsbedarf besteht also weiterhin.
Das zeigte auch das vielfältige und umfangreiche Programm der Konferenz, das von einem Bündnis unter anderem aus „Abbrechen, Abbrechen“, dem „Kollektiv Freiräumen“ und der Partei Die Linke zusammengestellt wurde.

Bei der Debatte um Leerstand geht es grundlegend um den Wert und die Verteilung von Boden, wie Stephan Reis-Schmid von der „Initiative für ein soziales Bodenrecht“ betonte. „Der Boden sollte in die Hände der Kommunen kommen“, sagte er und forderte ein kommunales Vorkaufsrecht. Zudem schlug er eine Leerstandsabgabe vor, wie sie in Österreich bereits praktiziert wird. In Deutschland scheitert ein solches Instrument bislang unter anderem am Datenschutz: So dürfen die Stadtwerke München keine Daten über Wohnungen herausgeben, in denen kaum Wasser oder Strom verbraucht wird.

Eine weitere Forderung Reis-Schmids ist ein Genehmigungsvorbehalt für Abrisse. Zudem solle eine verpflichtende CO₂-Bilanz für Bautätigkeiten eingeführt werden. In dieselbe Richtung argumentieren auch Architects for Future: Bauen ist an sich äußerst emissionsintensiv, und allein in Bayern werden täglich rund 56 Hektar Fläche neu versiegelt. Leerstand sei daher eine massive Verschwendung von Ressourcen. Zudem gilt: Je länger ein Gebäude leer steht, desto aufwändiger und teurer wird seine Sanierung.

Helena Rafalsky und Alexander Rakow, die Leerstandsforschung am Leerstuhl für „Architektur, Stadt und Ökonomie“ an der Uni Kassel betreiben, haben berechnet, dass Leerstand Kommunen rund 10 Euro pro Quadratmeter und Jahr kostet, da sie das Versorgungsnetz rund um diese Gebäude weiterhin betreiben müssen. Hinzu kommen Ausgaben für neue Baugebiete, die ebenfalls erschlossen und versorgt werden wollen. Dies bedeutet für München eine Summe von ca. 4,1mio €. Ob durch Leerstand oder durch den stetig wachsenden Quadratmeterverbrauch pro Kopf – die Kosten trägt letztlich die Allgemeinheit.

Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie diese, die Aufmerksamkeit schaffen und konkrete Lösungsansätze aufzeigen. Die Atmosphäre während des Tages war gelöst, es gab selbstgekochtes Essen, und auch die Pfarrerin zeigte sich begeistert. Sie habe es „geil“ gefunden und sich gefreut, Gastgeberin dieser lebendigen und engagierten Veranstaltung zu sein.

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