Rückschau: Münchner Wohnungsbau in der Falle
Unter diesem Titel luden die Initiative Ein soziales Bodenrecht und die Evangelische Stadtakademie am 27. November 2025 zu einer Diskussionsrunde ein. Der vollbesetzte Saal zeigte, wie groß die Sorge um den Wohnungsmarkt inzwischen ist: Für viele Haushalte wird angemessener Wohnraum in München unerschwinglich, und im kommenden Jahr droht die öffentliche Wohnungsbauförderung wegen der angespannten Haushaltslage und fehlender Landesmittel weitgehend zum Stillstand zu kommen.
Christian Stupka eröffnete den Abend mit einem prägnanten Impuls, in dem er die veränderten Rahmenbedingungen erläuterte. Während 2010 freifinanzierter Wohnraum noch mit einer wirtschaftlich darstellbaren Miete von etwa 14,30 € pro Quadratmeter gebaut werden konnte, lägen die erforderlichen Mieten heute – bedingt durch drastisch gestiegene Bodenpreise, Baukosten und Zinsen – bei rund 33,30 €. Stupka skizzierte zugleich kommunale Handlungsfelder, etwa die Weiterentwicklung der städtischen Bodenpolitik und eine Entschlackung von Regelwerken, und sprach sich für neue Finanzierungswege aus, bei denen stärker auch privater Reichtum zur Finanzierung geförderten Wohnungsbaus herangezogen werden sollte.
In der anschließenden Diskussion mit den Stadträt:innen Sibylle Stöhr (GRÜNE), Simone Burger (SPD), Heike Kainz (CSU) und Stefan Jagel (DIE LINKE) sowie Jürgen Büllesbach (OPES Immobiliengruppe) wurde unter der Moderation von Sebastian Krass (Süddeutsche Zeitung) deutlich, dass es kein einfaches Rezept für den Münchner Wohnungsbau gibt. Einigkeit bestand darin, dass an vielen Stellschrauben zugleich gedreht werden muss. Klar wurde auch, dass weniger sozial geförderten Wohnraum zu schaffen keine Option ist: Die „Münchner Mischung“, also das Zusammenleben unterschiedlicher Einkommensgruppen in den Quartieren, gilt als zentrale Voraussetzung für sozialen Frieden in der Stadt.
Viele Teilnehmende hatten sich von der Diskussion eine klare Perspektive auf die künftige Ausrichtung der Münchner Wohnungspolitik erhofft. Auch wenn allen die Komplexität der Lage bewusst ist, besteht ein großer Wunsch nach Orientierung und verlässlichen Entscheidungen.
Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung des Stadtrats, Einsparungen vorzunehmen, besonders schwierig. Umso gespannter richtet sich der Blick nun auf den Planungsausschuss am 3. Dezember und die Vollversammlung am 17. Dezember 2025.