Alternative Konzeptvergaben – ein Blick über den Tellerrand

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Gleich zwei Veranstaltungen zur Konzeptvergabe von Grundstücken an Genossenschaften veranstaltete die mitbauzentrale im Frühjahr. Die beiden Abende, aufgeteilt auf die Themen „Konzeptvergabe – Was machen andere Kommunen, am Beispiel Augsburg“ und „Baukasten Konzeptvergabe – eine mögliche Lösung für München?“, stießen auf reges Interesse. Neben Genossenschaften nahmen auch Stadträt:nnen und Vertreter:nnen der Stadtverwaltung teil. In lockerer Atmosphäre wurde diskutiert und debattiert.

In der Auftaktveranstaltung am 10.03.2022 stellte Natalie Schaller das Vergabeverfahren für vier Baufelder im Sheridan Park der Stadt Augsburg vor. Im Gegensatz zu München erfolgt dort der Verkauf der Grundstücke zum marktüblichen Preis (Verkehrswert). Somit müssen keine Kriterien wie bei einer vergünstigten Grundstücksvergabe erfüllt werden. Das entwickelte Vergabesystem lässt viel Freiheit für die Entwicklung individueller Konzepte.

Zu fünf definierten Themen „Wohnen für alle – langfristig und sicher, lebendige Quartiere und Nachbarschaften, Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement, Klima- und Ressourcenschutz, Qualitäten und Innovation“ konnten die Bewerber:innen im Freitext ihre Ideen und Vorstellungen erläutern. Die Auswahl der Akteure erfolgte durch ein Gremium aus Politik, Verwaltung und externen Fachleuten unter den Kriterien „Mehrwert für die Stadtgesellschaft, Mehrwert für das Quartier, Qualität des Projektes, Beteiligung der künftigen Bewohner an der Planung“. Um die Beteiligung der Bewohner:innen schon während des Vergabeverfahrens sicher zu stellen, mussten für 25% der Wohneinheiten zukünftige Bewohner namentlich und mit Unterschrift nachgewiesen werden.

Zwei der erfolgreichen Bewerberinnen, die Genossenschaft „wagnis“ aus München und die Gruppe „Stadt für alle“ des Mietshäuser Syndikats, gaben aus ihrer Sicht Einblicke in das Verfahren. Vertreter:innen beider Akteure äußerten sich positiv. Sie schätzten es, ein individuell auf dieses Areal zugeschnittenes Konzept entwickeln zu können und dies frei zu erläutern. Ebenfalls auf Zustimmung stieß die Auswahl der künftigen Grundstückseigentümer:innen durch ein Gremium. Als recht aufwändig im Gegensatz zu anderen Verfahren, stellte sich die frühe Beteiligung der künftigen Bewohner:innen heraus.

Der zweite Abend stellte einen Vorschlag für ein Baukastensystem zur Diskussion. Die vorgestellte Methode wurde vor einigen Jahren von Natalie Schaller und Christian Stupka angedacht.

Ziel ist es, bei der Bewerbung das Gesamtquartier zu betrachten und das Verfahren zu entschlacken. Es sollen die Lasten auf alle Akteure im Quartier verteilt werden und das eigene Projekt soll selbstgewählte Schwerpunkte setzten können. Der entwickelte Baukasten schlägt fünf Bausteine vor „Infrastruktur, Mobilität, Soziales, Planen und Bauen sowie gruppenspezifischen Kriterien“ und eine feststehende Gesamtpunktzahl. Die ausschreibende Behörde kann nun Mindestanforderung für die einzelnen Bausteine festlegen und zusätzlich können von den Bewerbern eigene flexible Einzelbausteine gewählt werden. Somit wäre es möglich, ein individuell auf das zur Disposition stehende Grundstück zugeschnittenes Konzept zu entwickeln. Weiterhin müssten nicht alle Bewerber alle Kriterien erfüllen, sondern nur zu den gewählten Bausteinen.

Im Anschluss an die Vorstellung des Baukastensystems entspannte sich eine interessante Diskussion. Der Baukasten wurde grundsätzlich positiv gesehen. Die Anwesenden trieb jedoch vor allen die Fragen um den Umgang mit dem bei aktuellen Ausschreibungen notwendigen Mietpreisgebot im Konzeptionellen Mietwohnungsbau und die Bewertung durch eine Jury, um.  

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