Die Wohnungsgenossenschaft als Dach für Wohnprojekte

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Ende April 2022 veranstaltete die mitbauzentrale münchen in Kooperation mit der GIMA München einen Abend für Genossenschaften zum Thema „die Wohnungsgenossenschaft als Dach für Wohnprojekte“.

Beide Partner bekommen immer wieder Anfragen von Initiativen, die unter das Dach einer bestehenden Wohnungsbaugenossenschaft schlüpfen möchten. Sie möchten nur ein Projekt realisieren oder es fehlt die nötige Expertise, um es in Eigenregie umzusetzen. Doch vor der Aufnahme gilt es einige Aspekte zu beachten und Argumente aus Sicht der Genossenschaft abzuwägen. Christian Stupka von der GIMA erläutert die rechtlichen Bedenken aus Sicht der Genossenschaften. Deren Satzungen behandeln alle Mitglieder gleich, sie sehen keine Sonderbehandlungen für eine Gruppe vor. Ein Hausprojekt sollte sich finanziell selbst tragen, und trotzdem gilt das Solidarprinzip. Das finanzielle Risiko, das bei einem Projekt entsteht, tragen alle Mitglieder mit ihren gezeichneten Anteilen. Insofern bleibt die Entscheidungshoheit für weitgreifende planerische und finanzielle Belange beim Vorstand. Die Initiative/Hausgruppe kann bei Themen wie der Gestaltung der Gemeinschaftsräume oder über Varianten von Grundrissen mitentscheiden.

Die Wohnungsbaugenossenschaft wogeno hat kürzlich eine Initiative aus Wörthsee aufgenommen und realisiert nun in Wörthsee ein Projekt. Thomas Kremer, Vorstand der wogeno, stellte die Kooperation vor. Die Initiative hatte sich zu einem Verein zusammengeschlossen und bei der Gemeinde dafür stark gemacht, ein bestimmtes Grundstück für eine Genossenschaft zur Verfügung zu stellen. Die Partner einigten sich relativ früh darauf, dass 60% der Wohnungen durch den Verein belegt werden können, 20% durch die Gemeinde Wörthsee und 20% durch weitere Mitglieder der Wogeno. Alle Nutzer werden jedoch vorher Mitglied der Wogeno, damit gibt es kein außen und innen mehr und es ist ein Projekt der Wogeno. Thomas Kremer empfand es als sehr hilfreich, dass die Initiative einen Verein gegründet hatte und somit Personen legitimiert waren, im Auftrag der Gruppe verhandeln zu können und die Meinung der Gruppe zu vertreten. In einem Arbeitspapier wurden Rechte und Pflichten beider Seiten im Rahmen der genossenschaftlichen Regeln festgehalten.

Katharina Winter von der mitbauzentrale münchen erläuterte die unterschiedlichen Beweggründe insbesondere von Initiativen im Umland sich zu einem Wohnprojekt zusammenzuschließen und eine Dachgenossenschaft zu suchen. Immer mehr Kommunen interessieren sich für die Möglichkeit, Grundstücke im Konzeptverfahren auszuschreiben und genossenschaftliche Initiativen vor Ort zu etablieren, die dann u.U. eine Dachgenossenschaft suchen, mit der sie sich auf das Grundstück bewerben können. Diese Gruppen sind häufig ein Zusammenschluss unterschiedlichster Menschen mit unterschiedlichen Interessen. Eine andere Ausgangsposition haben Initiativen, wie in Wörthsee, die bei einer Gemeinde den Weg bereitet haben, ein Grundstück an eine Genossenschaft zu vergeben und häufig damit bereits eine realistische Option auf ein Grundstück besitzen. Allen gemein ist eine tiefe Verwurzelung im Ort.

Zum Abschluss der Veranstaltung stand die Frage im Raum, wie sich die Partner am besten und effektivsten finden. Seitens der Genossenschaften gab es die klare Präferenz, dass die mitbauzentrale die Initiativen berät, die Interessen absteckt und dann über ihren Verteiler oder über den Verteiler der GIMA die Steckbriefe der Initiativen verteilt werden.

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